Cine feld 22 – Filmreihe in der Feldstraße

cine2-01-webSonntag | 28.10.2018 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

beyond the red lines – systemwandel statt klimawandel

als Vorfilm evtl. „hambi bleibt“ – Kurzfilm der Videowerkstatt Wuppertal21

Ob im rheinischen Braunkohlegebiet, am Hafen von Amsterdam oder auf den Straßen von Paris während des Weltklimagipfels, die Kämpfe für Klimagerechtigkeit werden an immer mehr Fronten geführt. Beyond the red lines (Jenseits der roten Linien) ist die Geschichte einer wachsenden Bewegung, die „Es reicht! Ende Gelände!“ sagt, zivilen Ungehorsam leistet und die Transformation hin zu einer klimagerechten Gesellschaft selber in die Hand nimmt.

Das Jahr 2015 stand im Zeichen des menschengemachten Klimawandels – und im Zeichen des Kampfes für Klimagerechtigkeit, der an immer mehr Fronten geführt wird. In Paris wurde ein globales Klimaabkommen verabschiedet. Aber wurde dort wirklich der Klimaschutz vorangetrieben? Während Verhandlungen und Treibhausgasemissionen auf Hochtouren laufen, liegen Welten zwischen dem, was notwendig wäre, um das Klimachaos noch abzuwenden und dem, was tatsächlich passiert.

Dieser Film porträtiert drei Initiativen im Vorfeld und während des Weltklimagipfels. Er zeigt uns, wie 1.300 Menschen in den Rheinischen Braunkohletagebau eindringen und ihre Körper in den Weg von gigantischen Kohlebaggern stellen, um Europas größte CO2-Quelle für einen Tag lahmzulegen („Ende Gelände“). Im Film kommen Menschen zu Wort, die den Import fossiler Brennstoffe am Hafen von Amsterdam blockieren (Klimacamp „ground control“ & „Climate Games“). Er zeigt uns Menschen, die eine 5.000 km lange Fahrradtour nach Paris machen, um unterwegs unzähligen lokalen Initiativen eine gemeinsame Stimme für eine klimagerechte Welt zu verleihen (Alternatiba).

Der Film dokumentiert ebenfalls, wie anlässlich des Weltklimagipfels trotz des ausgerufenen Notstands Zehntausende ihre Forderungen auf die Straßen von Paris tragen. Weltweit kommt es hierbei zur größten Mobilisierung der bisherigen Geschichte um das Thema Klimawandel mit über 785.000 Menschen auf 2.200 Veranstaltungen in 175 Ländern.

Inmitten gewaltiger Maschinen, empörter kritischer Stimmen und apokalyptischer Tagebaulandschaften wird die Logik eines Systems, das auf endlosem Wachstum beruht, und sein „grünes“ Krisenmanagement in Frage stellt.

Beyond the red lines ist die Geschichte einer wachsenden Bewegung, die „Es reicht! Ende Gelände!“ sagt, zivilen Ungehorsam leistet und die Transformation hin zu einer klimagerechten Gesellschaft selber in die Hand nimmt.

Eintritt ist kostenlos – über Spenden freuen wir uns.

Sonntag | 09.09.2018 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

HÁWAR
D 2015,101 Min. | Regie: Düzen Tekkal

HÁWAR erzählt von einer Reise der Yezidin Düzen Tekkal und ihrem Vater. Aus einer ursprünglich geplan-ten Reise zu den Wurzeln, wird für Düzen Tekkal ein Einsatz als Kriegsberichterstatterin. Ein Kamera-team begleitet sie und ihren Vater in den Nordirak. Sie durchfährt gemeinsam mit yezidischen Kämpfern das gefährliche IS-Gebiet und besucht ein Flüchtlingscamp in Zakho an der irakisch/türkischen Grenze.

Am Fuße des Sindschar Gebirges trifft Düzen Tekkal auf Kasim Schescho, der seit dem Einfall der der IS-Truppen in Shingal, die yezidischen Soldaten im Nordirak als Brigadeführer lenkt. Schescho, der eigentlich in Bad Oeynhausen lebt ist nach Shingal gereist, um seiner Glaubensgemeinschaft im Kampf gegen den IS zu helfen. Ursprünglich wollte er mit seinem Sohn Fahim nur die irakische Heimat besuchen. Jetzt kämpfen die beiden Deutschen Seite an Seite gegen die IS-Terroristen.

Der Film endet, in einem Dorf im Südosten der Türkei. Hier ist der Vater Seyhmus Tekkal aufgewachsen. Vater und Tochter besuchen das Grab der Großmutter. Auch sie musste aufgrund ihrer Religion gegen Unterdrückung kämpfen. Dieser Kampf geht weiter, bis heute:

Auf Yeziden wird in Afrin durch türkische Soldaten und türkische Söldnertruppen Jagd gemacht – mit deutschen Waffen. Mitte August ermordete der türkische Geheimdienst in Shingal einen politischen Vertreter der Yeziden und einige Begleiter.

Eintritt frei – Spenden erbeten.

 

Sonntag | 27.05.2018 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

„Die Alsterdorfer Passion“
– Die Alsterdorfer Anstalten 1945-1979
Regie: Bertram Rotermund | Rudolf Simon, D 2018, 65 Min.

Ausgehend von den Euthanasie-Verbrechen im Nationalsozialismus zeichnet der Film die Geschichte der Alsterdorfer Anstalten bis in die 80iger Jahre nach. Berichte von ehemaligen BewohnerInnen und MitarbeiterInnen, Fotos, Dokumente und Filmaufnahmen dokumentieren die Atmosphäre und den Geist der damaligen Zeit in dieser evangelischen Einrichtung für Menschen mit Behinderung.
Auch nach Kriegsende änderte sich für die Bewohner der Alsterdorfer Anstalten lange Zeit wenig. Zwar mussten die leitenden Personen gehen – zur Rechenschaft gezogen und bestraft wurde keiner von ihnen.
Das gesamte Personal (95% der Mitarbeiter waren ehemalige Parteigenossen, Mitglieder der SA oder anderer Gliederungen der Partei) aber blieb und mit ihnen die Massenquartiere, kollektive Hygieneverrichtungen, Aufhebung jeglicher Intimsphäre dazu auch Formen direkter Gewalt wie Essensentzug, Schläge, Strafe-stehen, Strafliegen, Fixierungen, Zwangskleidung und Einsperren.
Erst als Ende der 1970er Jahre jüngere Mitarbeiter und Zivildienstleistende die menschenunwürdigen Zustände anprangerten und damit in die Öffentlichkeit gingen, setzte allmählich ein Paradigmenwechsel ein.


Sonntag | 25.02.2018 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

Dil Leyla
D 2016, 71 Min., R: Aslı Özarslan

Die Berliner Filmemacherin Aslı Özarslan porträtiert die kurdische Bürgermeisterin der türkischen Kleinstadt Cizre

Als im Juni 2015 die Demokratische Partei der Völker (HDP) bei den Parlamentswahlen in der Türkei ein unerwartet gutes Ergebnis mit mehr als 13 Prozent der Stimmen erreichte, da hofften viele auf bessere Zeiten. Endlich war auch der kurdisch geprägte Osten des Landes gut vertreten, und Präsident Erdoğan würde es mit einer starken Opposition zu tun bekommen. Doch der Optimismus wurde schnell enttäuscht, denn es begann eine neue Zeit der Repressionen. Unmittelbar davon betroffen war auch die Kleinstadt Cizre, nicht weit von der Grenze zum Irak. Mit Cizre hatte es eine besondere Bewandtnis: Die junge Bürgermeisterin Leyla Imret, Tochter eines prominenten kurdischen Kämpfers, hatte viele Jahre als Asylwerberin in Deutschland gelebt. Die Berliner Dokumentarfilmerin Aslı Özarslan war durch eine Zeitungsnotiz auf sie aufmerksam geworden und wollte mehr über diesen Fall wissen. „Warum geht eine junge Frau, die mehr oder weniger in meinem Alter ist, in eine Kurdenhochburg, um Politikerin zu werden?“

Die Antwort gibt der Film „Dil Leyla“, auch wenn sie nicht immer eindeutig ist. Leyla Imret bekommt in Deutschland endlich die ersehnte Aufenthaltsgenehmigung und geht dann doch zurück in die Türkei, weil sie sich nach ihrer Heimat und ihrer Familie sehnt, und weil sie eine Chance sieht, die Situation zu verbessern. „Obwohl Leyla als Bürgermeisterin eigentlich nur für die Infrastruktur zuständig war“, erzählt Aslı Özarslan, „hat sie immer mehr gemacht. Sie hat die ganze Zeit Parks bauen und Bäume pflanzen lassen. Sie wollte die Narben ihrer Kindheit verdecken, einen neuen Alltag in die Stadt bringen und auch für sich einen Alltag schaffen, weil viele Jahre lang alles so stark vom Krieg (zwischen der türkischen Armee und den Guerillakämpfern der PKK, Anm.) geprägt war. Sie wollte ein ganz normales Leben führen. Und sie brachte eine unglaublich gute Energie.“

Der Umschwung, von dem auch der Film „Dil Leyla“ geprägt ist, kam mit den Wahlen von 2015. „Schon vor den Wahlen war die Stimmung ganz anders, alles unglaublich angespannt. In Diyarbakir, der Hauptstadt der Kurdenregion in der Osttürkei, gab es einen Anschlag. Wir mussten damals die Dreharbeiten vorerst abbrechen. Der Film besteht genau aus zwei Teilen, danach war die gute Energie weg.“

Für Aslı Özarslan ist die Geschichte von Leyla Imret ein gutes Beispiel dafür, warum sie Dokumentarfilmerin geworden ist. „Ich habe auch als Journalistin gearbeitet und tue das weiterhin ab und zu, aber ich wollte längere Geschichten erzählen, wollte in Leben eintauchen und versuchen, Dinge zu verstehen. Diese Möglichkeit habe ich für mich im Dokumentarfilm gesehen: über alltägliche Situationen politische Dinge zu erzählen, vom Kleinen ins Große zu gehen.“ Für „Dil Leyla“ hat Aslı Özarslan eine herausragende Protagonistin gefunden, und geriet dabei mitten in die Weltpolitik. Denn im Juni 2015 begann, obwohl das Wahlergebnis zunächst in die andere Richtung zu weisen schien, der Aufstieg des Autokraten Erdoğan erst so richtig. Eines der Opfer war Leyla Imret, zu der Aslı Özarslan aktuell keinen Kontakt hat: „Ich weiß nicht, wo sie ist. Sie darf das Land nicht verlassen. Ich habe keinen Kontakt zu ihr, weiß aber von der Familie, dass es ihr gut geht. Sie selbst hat den Film leider noch nicht gesehen.“

 

Sonntag | 28.01.2018 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

Die Freiheit des Erzählens
Deutschland 2006, 100 min, deutsch,
Produktion: Carsten Does und Robin Cackett
Eintritt frei, Spenden erbeten

Gad Beck ist ein begnadeter Erzähler. Er war zehn Jahre alt, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, und mit neunzehn wurde seine große Liebe Manfred Lewin nach Auschwitz deportiert. Als „jüdischer Mischling“ wurde Gad Beck 1943 in dem Berliner Sammellager Rosenstraße interniert und nach den einzigartigen Protesten nichtjüdischer Angehöriger wieder freigelassen. Während der letzten beiden Kriegsjahre organisierte er als Leiter des „Chug Chaluzi“ das Überleben zahlreicher im Untergrund lebender Juden.

Wie wird Geschichte erinnert und erzählt? Wie wird ein Zeitzeuge durch die Nachgeborenen inszeniert und wie inszeniert er sich selbst?

Ein Film über die bisweilen fließenden Grenzen zwischen Wahrheit und Legende und über die Aufarbeitung von Geschichte in den unterschiedlichsten Medien.
Ein Film über die Auseinandersetzung zwischen den Generationen, über Neugierde, Takt und Koketterie.
Ein Film über alltäglichen Heldenmut und schwule Liebe in einer gefährlichen Zeit.

Mit den Zeitzeugen: Gad Beck, Miriam Rosenberg (geb. Beck), Hans-Oskar Löwenstein, Jizchak Schwersenz, Zvi Aviram

 leider schon vorbei …

Sonntag | 26.11.2017 | 19 Uhr | Zentrum Wiesengrund, Wöhrmühle 7, Erlangen
Der Kuaför aus der Keupstraße
Regie: Andreas Maus, D 2015 – 92 Min – Deutsch/Türkisch

Der Film erzählt die Geschichte der Folgen des Nagelbombenanschlags vor einem türkischen Friseursalon in der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004. Er rekonstruiert die Ermittlungen der Polizei anhand der Verhörprotokolle und es wird deutlich, dass als Täter für die Polizei vor allem die Opfer in Frage kamen. Die Möglichkeit eines ausländerfeindlichen Motivs wurde weitestgehend ausgeblendet.
Erst Jahre später wurde der Anschlag dem sog. Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugeordnet. So wie in Köln wurden auch in den anderen Städten, in denen der NSU gemordet hat, zumeist die Angehörigen und ihr Umfeld verdächtigt. Der Film eröffnet die Diskussion über die Frage einer strukturellen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland auf eine neue Art, nämlich aus der Perspektive der Betroffenen.

Eintritt frei, Spenden erwünscht!

Sonntag | 29.10.2017 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

Capitaine Thomas Sankara
R: Christophe Cuppelin, CH/BF 2012, 104 Min.,
Französisch mit deutschen Untertiteln,
Eintritt frei, Spende erwünscht

Dieses Archivporträt von Thomas Sankara konzentriert sich auf seine Amtszeit als Präsident von Burkina Faso (Obervolta) vom 4. August 1983, Zeitpunkt seines Umsturzes und Beginn der „sankaristischen Revolution“, bis zu seiner noch heute nicht aufgeklärten Ermordung am 15. Oktober 1987.

Das ausschließlich aus Archivmaterial zusammengestellte Porträt von Thomas Sankara, Präsident Burkina Fasos vom 4. August 1983 bis zu seiner Ermordung am 15. Oktober 1987, ist eine Hommage an den außergewöhnlichen Staatsmann, der durch seine weitsichtigen und mutigen Reformen und seine resolut antiimperia-listische Politik die Geschichte seines Landes und des afrikanischen Kontinents nachhaltig beeinflusst hat. Mit diesem Dokumentarfilm, der mit der Energie eines zwischen Idealismus und Ironie schwankenden Punk-Manifests daherkommt, gibt uns Filmemacher Christophe Cupelin einen ganzheitlichen Überblick über das intellektuelle und politische Erbe dieses untypischen Staatschefs, der sowohl mit seinen Worten als auch mit seinen Taten Anstoß erregte.

Sankara, dem bewusst war, dass er nicht viel Zeit haben würde, versuchte, so viele Reformen wie möglich durchzuführen und anzustoßen, so viele Herausforderungen wie möglich anzugehen und die Mentalität der BurkinerInnen langfristig und nachhaltig zu verändern: Abschaffung der Privilegien der MinisterInnen, Anstreben der Ernährungssicherheit, Förderung der einheimischen Produktion, Impfkam-pagnen, Ausbau des Bildungswesens, Kampf gegen Korruption sowie gegen die vorrückende Wüstenbildung und vor allem auch Kampf für die Emanzipation der Frauen.

Sankara, der auch der Che Afrikas genannt wurde, lehnte sich gegen die Machtverhältnisse auf der Welt auf, stellte die Macht- und Herrschaftsverhätnisse klar und deutlich in Frage, versuchte, den Einfluss der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich zu beenden und rief vor der Versammlung der Afrikanischen Union dazu auf, die Staatsschulden, die er als koloniale Schulden ansah, nicht zurückzuzahlen.

Vier rastlose Jahre voller Veränderungen, die die Geschichte Burkina Fasos und des afrikanischen Kontinents prägten und die abrupt mit seiner Ermordung während des von seinem langjährigen Weggefährten Blaisé Compaoré durchgeführten Putschs endeten.

Vier Jahre, die dazu geführt haben, dass er bis heute AktivistInnen in ganz Afrika und seiner globalen Diaspora inspiriert. Denn, wie er sagte: „Man kann einen Menschen töten, nicht jedoch seine Ideen.“

Sonntag | 17.09.2017 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

Die Kraft der Schmetterlinge

Idee, Kamera & Schnitt: momo | Produktion: Alegre Rebeldía Films | Deutschland 2012 | Spanisch mit Untertitel | 92 min | Eintritt frei, Spenden erwünscht

Im Rahmen der Chaostheorie spricht man vom „Schmetterlingseffekt“, nach dem kleinste Abweichungen langfristig ein ganzes System vollständig und unvorhersagbar verändern können… Politiker_innen verschiedener Länder betonen immer wieder, dass es derzeit keine Alternativen zum neoliberalen Wirtschafts- und Lebenskonzept gibt. “Die Kraft der Schmetterlinge” ist 2011 auf einer Reise von Mexiko nach Panama entstanden und handelt von Menschen in Mittelamerika, die statt auf Lösungen seitens ihrer Regierungen zu hoffen – sich zusammentun, sich organisieren und so eigene Lösungen und Alternativen schaffen.

Einsteigend mit der aktuellen Situation der indigenen Völker am Beispiel der Ngobe und Búgle in Panama gibt die Dokumentation Einblicke in vier spannende selbstorganisierte Projekte, die einmal mehr deutlich machen, dass der „Norden“ einiges vom „Süden“ lernen könnte. So haben die Garífunas im Norden Honduras bspw. ein faszinierendes kostenloses und ganzheitliches Gesundheitssystem in einer Region aufgebaut, wo es vorher kaum medizinische Versorgung gab.

Sonntag | 27.8.2017 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen
90 Min | französisch mit deutschen Untertiteln | Ouagadougou/Wien 2015

„Revolution mit bloßen Händen“
in Anwesenheit eines der zwei Filmemacher
Hans Georg Eberl

Moussa Ouédraogo (Burkina Faso) und Hans-Georg Eberl (Österreich) sind beide bei Afrique-Europe-Interact aktiv, zusammen haben sie den Film “Revolution mit bloßen Händen” gedreht (Originaltitel: Révolution à mains nues – la trajectoire d’un peuple).

Revolution mit bloßen Händen

Der Film ist ein Dokument der Erinnerung an den Aufstand am 30. und 31. Oktober 2014 in Burkina Faso, der den Sturz des diktatorischen Regimes von Blaise Compaoré herbeigeführt hat. Er stellt unterschiedliche Akteure des Aufstandes vor und besucht symbolträchtige Orte des Geschehens. Dabei stellt er immer wieder die Frage nach Motivationen, wozu auch Erinnerungen an vorausgegangene Kämpfe gehören. Die Erzählungen beteiligter Personen sprechen davon, wie sich Frauen, Männer, Jugendliche ohne Waffen zu einem Nein gegen ein diktatorisches und militarisiertes Regime erhoben haben. Auf diese Weise möchte der Film Erfahrungen aus Burkina Faso mit denen teilen, die in Afrika und anderswo nach einer demokratischen und gerechten Veränderung streben.

Filmtrailer

Les Sauteurs – Those Who Jump

Dokumentarfilm | R: Abou Bakar Sidibé | M. Siebert, E. Wagner | Dänemark 2016 | 80 Min. | OmU
Mit Regisseur und Protagonist Abou Bakar Sidibé
Eintritt frei – Spenden erwünscht

„I feel that I exist when I film“

Les Sauteurs – Those Who Jump

Melilla ist eine spanische Exklave, d.h. ein kleines Stück Küste in Nordafrika, das zu Europa gehört. Afrika und die Europäische Union werden hier durch eine hochgesicherte Grenzanlage, bestehend aus drei Zäunen, voneinander getrennt. In den Wäldern vor Melilla leben Geflüchtete, meist aus der Subsahara-Region, die versuchen, diese direkte Landgrenze zwischen Marokko und Spanien zu überqueren. So auch der Malier Abou Bakar Sidibé, der zugleich Protagonist und auch Dokumentierender in Les Sauteurs ist. Nach 14 Monaten im informellen Camp und mehreren gescheiterten Versuchen, das Zaunsystem zu überwinden, beginnt Abou zu filmen – seinen Alltag, die Umgebung, das zermürbende Warten auf den nächsten „Sprung“. Er gibt Einblick in die soziale Organisation der Community und tristen Ausblick auf das vermeintliche Eldorado Europa.
In Les Sauteurs findet ein einzigartiger Perspektivenwechsel statt: Dem abstrakt anonymen Wärmebild der Überwachungskamera wird der subjektive Blick eines Individuums entgegengesetzt. Nach einer Begegnung mit Moritz Siebert und Estephan Wagner übernimmt Sidibé ihre Kamera. Unermüdlich dokumentiert er seine Lebensrealität am Rande einer abgeschotteten EU.
So gelingt ein lebendiges Gegenbild zu den nur flüchtig wahrgenommenen, standardisierten Nachrichtenmeldungen über die Situation in Melilla am Rande Europas.

 

Sonntag | 28.5.2017 | 20 Uhr | Feldstr. 22

„Weisse Geister“ – Der Kolonialkrieg gegen die Herero
D 2004 | R: Martin Baer | 72 Min. | Eintritt frei

Der Film „Weisse Geister – Der Kolonialkrieg gegen die Herero“ beleuchtet das dunkle Kapitel deutscher Kolonialgeschichte in Afrika und fragt nach einem angemessenen Umgang mit der Vergangenheit.
Israel Kaunatjike der Protagonist des Films hat zwei deutsche Grossväter. Beide seiner Grossmütter bekamen Kinder von deutschen Soldaten der Schutztruppen“. Ähnlich wie während anderer militärischer Auseinandersetzungen gab es auch in diesem Kolonialkrieg sog. comfort women. Diese von den deutschen Herren offiziell verbotenen und verpönten „Verbindungen“ mit den „Eingeborenen“ waren eine gängige Praxis des Kolonialismus: „Sexsklaverei“.
Auch Regisseur Martin Baer ist im Rahmen der Recherchen unerwartet mit der eigenen familiären Vergangenheit in Berührung gekommen: Einige seiner Vorfahren waren einst als Siedler nach „Deutsch-Südwest“ gekommen und leben bis heute in Namibia und Südafrika.
Für Israel Kaunatjike wesentlich ist die Frage nach der Identität. Wer ist überhaupt Namibier, wer Deutscher, wer Herero? Er ist mit einer Deutschen verheiratet, seine Kinder leben in Deutschland. Nach der Logik deutschen Abstammungs- und Staatsangehörigkeitsrechts ist Israel Deutscher. Die vielen Nachkommen der deutschen Kolonialisten könnten im Prinzip die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen. Für sie ist die Geschichte des Kolonialismus nicht vorbei. Ihre helle Haut erinnert sie ständig daran, dass sie nicht einfach nur Afrikaner sind.

„Man darf nicht ohne uns über uns reden“

Beim Genozid an Hereros und Nama, sind zwischen 65.000 und 100.000 Menschen ums Leben gekommen, ein Großteil ihres Landes wurde enteignet.

Aktuell führen Vertreter der Nama und Herero ein Klage in den USA gegen Deutschland. Sie fordern Entschädigung für den Völkermord und die Enteignung ihres Landes durch die deutsche Kolonialregierung und sie wollen an den Verhandlungen, die Deutschland aktuell mit der namibischen Regierung führt, beteiligt werden.

Eine Anhörung vor einem amerikanischen Gericht ist für den 21. Juli anberaumt. Solange hat die Bundesregierung Zeit, sich zu dem Verfahren zu äußern.

Deutschland plant, zur Kompensation des Leids und des erlittenen Unrechts Geld in eine Zukunftsstiftung einzuzahlen, aus der Projekte finanziert werden sollen, die den Herero und Nama-Volksgruppen zugutekommen sollen.

Israel Kaunatjike fordert Reparationsleistungen:
„Für uns ist das Land wichtig. Die Namas wohnen in Südnamibia, das ist die reichste Gegend, dort gibt es viele Diamanten, aber die Leute haben nichts. Genau wie die Hereros in Zentralnamibia. Wo diese Menschen gelebt haben, leben heute die deutschen Nachfahren. Man kann nicht akzeptieren, dass die Hereros und Namas heute in Armut leben. Wo ist dann die Gerechtigkeit? Die vertriebenen Hereros wollen etwa aus Botswana nach Namibia zurück. Aber wohin? Das Land ist immer noch besetzt durch Diebstahl. Das war einfach Landraub. Das Land muss wieder in unsere Hände zurückgegeben werden.“