Cine feld 22 – Filmreihe in der Feldstraße

cine2-01-web

Sonntag | 28.5.2017 | 20 Uhr | Feldstr. 22

„Weisse Geister“ – Der Kolonialkrieg gegen die Herero

D 2004 | R: Martin Baer | 72 Min. | Eintritt frei

Der Film „Weisse Geister – Der Kolonialkrieg gegen die Herero“ beleuchtet das dunkle Kapitel deutscher Kolonialgeschichte in Afrika und fragt nach einem angemessenen Umgang mit der Vergangenheit.

Israel Kaunatjike der Protagonist des Films hat zwei deutsche Grossväter. Beide seiner Grossmütter bekamen Kinder von deutschen Soldaten der Schutztruppen“. Ähnlich wie während anderer militärischer Auseinandersetzungen gab es auch in diesem Kolonialkrieg sog. comfort women. Diese von den deutschen Herren offiziell verbotenen und verpönten „Verbindungen“ mit den „Eingeborenen“ waren eine gängige Praxis des Kolonialismus: „Sexsklaverei“.

Auch Regisseur Martin Baer ist im Rahmen der Recherchen unerwartet mit der eigenen familiären Vergangenheit in Berührung gekommen: Einige seiner Vorfahren waren einst als Siedler nach „Deutsch-Südwest“ gekommen und leben bis heute in Namibia und Südafrika.

Für Israel Kaunatjike wesentlich ist die Frage nach der Identität. Wer ist überhaupt Namibier, wer Deutscher, wer Herero? Er ist mit einer Deutschen verheiratet, seine Kinder leben in Deutschland. Nach der Logik deutschen Abstammungs- und Staatsangehörigkeitsrechts ist Israel Deutscher. Die vielen Nachkommen der deutschen Kolonialisten könnten im Prinzip die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen. Für sie ist die Geschichte des Kolonialismus nicht vorbei. Ihre helle Haut erinnert sie ständig daran, dass sie nicht einfach nur Afrikaner sind.

„Man darf nicht ohne uns über uns reden“

Beim Genozid an Hereros und Nama, sind zwischen 65.000 und 100.000 Menschen ums Leben gekommen, ein Großteil ihres Landes wurde enteignet.

Aktuell führen Vertreter der Nama und Herero ein Klage in den USA gegen Deutschland. Sie fordern Entschädigung für den Völkermord und die Enteignung ihres Landes durch die deutsche Kolonialregierung und sie wollen an den Verhandlungen, die Deutschland aktuell mit der namibischen Regierung führt, beteiligt werden.

Eine Anhörung vor einem amerikanischen Gericht ist für den 21. Juli anberaumt. Solange hat die Bundesregierung Zeit, sich zu dem Verfahren zu äußern.

Deutschland plant, zur Kompensation des Leids und des erlittenen Unrechts Geld in eine Zukunftsstiftung einzuzahlen, aus der Projekte finanziert werden sollen, die den Herero und Nama-Volksgruppen zugutekommen sollen.

Israel Kaunatjike fordert Reparationsleistungen:
„Für uns ist das Land wichtig. Die Namas wohnen in Südnamibia, das ist die reichste Gegend, dort gibt es viele Diamanten, aber die Leute haben nichts. Genau wie die Hereros in Zentralnamibia. Wo diese Menschen gelebt haben, leben heute die deutschen Nachfahren. Man kann nicht akzeptieren, dass die Hereros und Namas heute in Armut leben. Wo ist dann die Gerechtigkeit? Die vertriebenen Hereros wollen etwa aus Botswana nach Namibia zurück. Aber wohin? Das Land ist immer noch besetzt durch Diebstahl. Das war einfach Landraub. Das Land muss wieder in unsere Hände zurückgegeben werden.“