Cine feld 22 – Filmreihe in der Feldstraße

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Sonntag | 26.11.2017 | 19 Uhr | Zentrum Wiesengrund (ehem. JUZ), Wöhrmühle 7, Erlangen

Der Kuaför aus der Keupstraße
Regie: Andreas Maus, D 2015 – 92 Min – Deutsch/Türkisch

Der Film erzählt die Geschichte der Folgen des Nagelbombenanschlags vor einem türkischen Friseursalon in der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004. Er rekonstruiert die Ermittlungen der Polizei anhand der Verhörprotokolle und es wird deutlich, dass als Täter für die Polizei vor allem die Opfer in Frage kamen. Die Möglichkeit eines ausländerfeindlichen Motivs wurde weitestgehend ausgeblendet.
Erst Jahre später wurde der Anschlag dem sog. Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugeordnet. So wie in Köln wurden auch in den anderen Städten, in denen der NSU gemordet hat, zumeist die Angehörigen und ihr Umfeld verdächtigt. Der Film eröffnet die Diskussion über die Frage einer strukturellen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland auf eine neue Art, nämlich aus der Perspektive der Betroffenen.

Eintritt frei, Spenden erwünscht!

Sonntag | 29.10.2017 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

Capitaine Thomas Sankara
R: Christophe Cuppelin, CH/BF 2012, 104 Min.,
Französisch mit deutschen Untertiteln,
Eintritt frei, Spende erwünscht

Dieses Archivporträt von Thomas Sankara konzentriert sich auf seine Amtszeit als Präsident von Burkina Faso (Obervolta) vom 4. August 1983, Zeitpunkt seines Umsturzes und Beginn der „sankaristischen Revolution“, bis zu seiner noch heute nicht aufgeklärten Ermordung am 15. Oktober 1987.

Das ausschließlich aus Archivmaterial zusammengestellte Porträt von Thomas Sankara, Präsident Burkina Fasos vom 4. August 1983 bis zu seiner Ermordung am 15. Oktober 1987, ist eine Hommage an den außergewöhnlichen Staatsmann, der durch seine weitsichtigen und mutigen Reformen und seine resolut antiimperia-listische Politik die Geschichte seines Landes und des afrikanischen Kontinents nachhaltig beeinflusst hat. Mit diesem Dokumentarfilm, der mit der Energie eines zwischen Idealismus und Ironie schwankenden Punk-Manifests daherkommt, gibt uns Filmemacher Christophe Cupelin einen ganzheitlichen Überblick über das intellektuelle und politische Erbe dieses untypischen Staatschefs, der sowohl mit seinen Worten als auch mit seinen Taten Anstoß erregte.

Sankara, dem bewusst war, dass er nicht viel Zeit haben würde, versuchte, so viele Reformen wie möglich durchzuführen und anzustoßen, so viele Herausforderungen wie möglich anzugehen und die Mentalität der BurkinerInnen langfristig und nachhaltig zu verändern: Abschaffung der Privilegien der MinisterInnen, Anstreben der Ernährungssicherheit, Förderung der einheimischen Produktion, Impfkam-pagnen, Ausbau des Bildungswesens, Kampf gegen Korruption sowie gegen die vorrückende Wüstenbildung und vor allem auch Kampf für die Emanzipation der Frauen.

Sankara, der auch der Che Afrikas genannt wurde, lehnte sich gegen die Machtverhältnisse auf der Welt auf, stellte die Macht- und Herrschaftsverhätnisse klar und deutlich in Frage, versuchte, den Einfluss der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich zu beenden und rief vor der Versammlung der Afrikanischen Union dazu auf, die Staatsschulden, die er als koloniale Schulden ansah, nicht zurückzuzahlen.

Vier rastlose Jahre voller Veränderungen, die die Geschichte Burkina Fasos und des afrikanischen Kontinents prägten und die abrupt mit seiner Ermordung während des von seinem langjährigen Weggefährten Blaisé Compaoré durchgeführten Putschs endeten.

Vier Jahre, die dazu geführt haben, dass er bis heute AktivistInnen in ganz Afrika und seiner globalen Diaspora inspiriert. Denn, wie er sagte: „Man kann einen Menschen töten, nicht jedoch seine Ideen.“

Sonntag | 17.09.2017 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

Die Kraft der Schmetterlinge

Idee, Kamera & Schnitt: momo | Produktion: Alegre Rebeldía Films | Deutschland 2012 | Spanisch mit Untertitel | 92 min | Eintritt frei, Spenden erwünscht

Im Rahmen der Chaostheorie spricht man vom „Schmetterlingseffekt“, nach dem kleinste Abweichungen langfristig ein ganzes System vollständig und unvorhersagbar verändern können… Politiker_innen verschiedener Länder betonen immer wieder, dass es derzeit keine Alternativen zum neoliberalen Wirtschafts- und Lebenskonzept gibt. “Die Kraft der Schmetterlinge” ist 2011 auf einer Reise von Mexiko nach Panama entstanden und handelt von Menschen in Mittelamerika, die statt auf Lösungen seitens ihrer Regierungen zu hoffen – sich zusammentun, sich organisieren und so eigene Lösungen und Alternativen schaffen.

Einsteigend mit der aktuellen Situation der indigenen Völker am Beispiel der Ngobe und Búgle in Panama gibt die Dokumentation Einblicke in vier spannende selbstorganisierte Projekte, die einmal mehr deutlich machen, dass der „Norden“ einiges vom „Süden“ lernen könnte. So haben die Garífunas im Norden Honduras bspw. ein faszinierendes kostenloses und ganzheitliches Gesundheitssystem in einer Region aufgebaut, wo es vorher kaum medizinische Versorgung gab.

 

Sonntag | 27.8.2017 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen
90 Min | französisch mit deutschen Untertiteln | Ouagadougou/Wien 2015

„Revolution mit bloßen Händen“
in Anwesenheit eines der zwei Filmemacher
Hans Georg Eberl

Moussa Ouédraogo (Burkina Faso) und Hans-Georg Eberl (Österreich) sind beide bei Afrique-Europe-Interact aktiv, zusammen haben sie den Film “Revolution mit bloßen Händen” gedreht (Originaltitel: Révolution à mains nues – la trajectoire d’un peuple).

Revolution mit bloßen Händen

Der Film ist ein Dokument der Erinnerung an den Aufstand am 30. und 31. Oktober 2014 in Burkina Faso, der den Sturz des diktatorischen Regimes von Blaise Compaoré herbeigeführt hat. Er stellt unterschiedliche Akteure des Aufstandes vor und besucht symbolträchtige Orte des Geschehens. Dabei stellt er immer wieder die Frage nach Motivationen, wozu auch Erinnerungen an vorausgegangene Kämpfe gehören. Die Erzählungen beteiligter Personen sprechen davon, wie sich Frauen, Männer, Jugendliche ohne Waffen zu einem Nein gegen ein diktatorisches und militarisiertes Regime erhoben haben. Auf diese Weise möchte der Film Erfahrungen aus Burkina Faso mit denen teilen, die in Afrika und anderswo nach einer demokratischen und gerechten Veränderung streben.

Filmtrailer

 

Les Sauteurs – Those Who Jump

Dokumentarfilm | R: Abou Bakar Sidibé | M. Siebert, E. Wagner | Dänemark 2016 | 80 Min. | OmU

Mit Regisseur und Protagonist Abou Bakar Sidibé

Eintritt frei – Spenden erwünscht

„I feel that I exist when I film“

Les Sauteurs – Those Who Jump

Melilla ist eine spanische Exklave, d.h. ein kleines Stück Küste in Nordafrika, das zu Europa gehört. Afrika und die Europäische Union werden hier durch eine hochgesicherte Grenzanlage, bestehend aus drei Zäunen, voneinander getrennt. In den Wäldern vor Melilla leben Geflüchtete, meist aus der Subsahara-Region, die versuchen, diese direkte Landgrenze zwischen Marokko und Spanien zu überqueren. So auch der Malier Abou Bakar Sidibé, der zugleich Protagonist und auch Dokumentierender in Les Sauteurs ist. Nach 14 Monaten im informellen Camp und mehreren gescheiterten Versuchen, das Zaunsystem zu überwinden, beginnt Abou zu filmen – seinen Alltag, die Umgebung, das zermürbende Warten auf den nächsten „Sprung“. Er gibt Einblick in die soziale Organisation der Community und tristen Ausblick auf das vermeintliche Eldorado Europa.
In Les Sauteurs findet ein einzigartiger Perspektivenwechsel statt: Dem abstrakt anonymen Wärmebild der Überwachungskamera wird der subjektive Blick eines Individuums entgegengesetzt. Nach einer Begegnung mit Moritz Siebert und Estephan Wagner übernimmt Sidibé ihre Kamera. Unermüdlich dokumentiert er seine Lebensrealität am Rande einer abgeschotteten EU.

So gelingt ein lebendiges Gegenbild zu den nur flüchtig wahrgenommenen, standardisierten Nachrichtenmeldungen über die Situation in Melilla am Rande Europas.

 

Sonntag | 28.5.2017 | 20 Uhr | Feldstr. 22

„Weisse Geister“ – Der Kolonialkrieg gegen die Herero

D 2004 | R: Martin Baer | 72 Min. | Eintritt frei

Der Film „Weisse Geister – Der Kolonialkrieg gegen die Herero“ beleuchtet das dunkle Kapitel deutscher Kolonialgeschichte in Afrika und fragt nach einem angemessenen Umgang mit der Vergangenheit.

Israel Kaunatjike der Protagonist des Films hat zwei deutsche Grossväter. Beide seiner Grossmütter bekamen Kinder von deutschen Soldaten der Schutztruppen“. Ähnlich wie während anderer militärischer Auseinandersetzungen gab es auch in diesem Kolonialkrieg sog. comfort women. Diese von den deutschen Herren offiziell verbotenen und verpönten „Verbindungen“ mit den „Eingeborenen“ waren eine gängige Praxis des Kolonialismus: „Sexsklaverei“.

Auch Regisseur Martin Baer ist im Rahmen der Recherchen unerwartet mit der eigenen familiären Vergangenheit in Berührung gekommen: Einige seiner Vorfahren waren einst als Siedler nach „Deutsch-Südwest“ gekommen und leben bis heute in Namibia und Südafrika.

Für Israel Kaunatjike wesentlich ist die Frage nach der Identität. Wer ist überhaupt Namibier, wer Deutscher, wer Herero? Er ist mit einer Deutschen verheiratet, seine Kinder leben in Deutschland. Nach der Logik deutschen Abstammungs- und Staatsangehörigkeitsrechts ist Israel Deutscher. Die vielen Nachkommen der deutschen Kolonialisten könnten im Prinzip die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen. Für sie ist die Geschichte des Kolonialismus nicht vorbei. Ihre helle Haut erinnert sie ständig daran, dass sie nicht einfach nur Afrikaner sind.

„Man darf nicht ohne uns über uns reden“

Beim Genozid an Hereros und Nama, sind zwischen 65.000 und 100.000 Menschen ums Leben gekommen, ein Großteil ihres Landes wurde enteignet.

Aktuell führen Vertreter der Nama und Herero ein Klage in den USA gegen Deutschland. Sie fordern Entschädigung für den Völkermord und die Enteignung ihres Landes durch die deutsche Kolonialregierung und sie wollen an den Verhandlungen, die Deutschland aktuell mit der namibischen Regierung führt, beteiligt werden.

Eine Anhörung vor einem amerikanischen Gericht ist für den 21. Juli anberaumt. Solange hat die Bundesregierung Zeit, sich zu dem Verfahren zu äußern.

Deutschland plant, zur Kompensation des Leids und des erlittenen Unrechts Geld in eine Zukunftsstiftung einzuzahlen, aus der Projekte finanziert werden sollen, die den Herero und Nama-Volksgruppen zugutekommen sollen.

Israel Kaunatjike fordert Reparationsleistungen:
„Für uns ist das Land wichtig. Die Namas wohnen in Südnamibia, das ist die reichste Gegend, dort gibt es viele Diamanten, aber die Leute haben nichts. Genau wie die Hereros in Zentralnamibia. Wo diese Menschen gelebt haben, leben heute die deutschen Nachfahren. Man kann nicht akzeptieren, dass die Hereros und Namas heute in Armut leben. Wo ist dann die Gerechtigkeit? Die vertriebenen Hereros wollen etwa aus Botswana nach Namibia zurück. Aber wohin? Das Land ist immer noch besetzt durch Diebstahl. Das war einfach Landraub. Das Land muss wieder in unsere Hände zurückgegeben werden.“