Cine feld 22 – Filmreihe in der Feldstraße

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Sonntag | 25.6.2017 | 20 Uhr | JUZ Wöhrmühle 7, Erlangen

Les Sauteurs – Those Who Jump

Dokumentarfilm | R: Abou Bakar Sidibé | M. Siebert, E. Wagner | Dänemark 2016 | 80 Min. | OmU

Mit Regisseur und Protagonist Abou Bakar Sidibé

Eintritt frei – Spenden erwünscht

„I feel that I exist when I film“

Les Sauteurs – Those Who Jump

Melilla ist eine spanische Exklave, d.h. ein kleines Stück Küste in Nordafrika, das zu Europa gehört. Afrika und die Europäische Union werden hier durch eine hochgesicherte Grenzanlage, bestehend aus drei Zäunen, voneinander getrennt. In den Wäldern vor Melilla leben Geflüchtete, meist aus der Subsahara-Region, die versuchen, diese direkte Landgrenze zwischen Marokko und Spanien zu überqueren. So auch der Malier Abou Bakar Sidibé, der zugleich Protagonist und auch Dokumentierender in Les Sauteurs ist. Nach 14 Monaten im informellen Camp und mehreren gescheiterten Versuchen, das Zaunsystem zu überwinden, beginnt Abou zu filmen – seinen Alltag, die Umgebung, das zermürbende Warten auf den nächsten „Sprung“. Er gibt Einblick in die soziale Organisation der Community und tristen Ausblick auf das vermeintliche Eldorado Europa.
In Les Sauteurs findet ein einzigartiger Perspektivenwechsel statt: Dem abstrakt anonymen Wärmebild der Überwachungskamera wird der subjektive Blick eines Individuums entgegengesetzt. Nach einer Begegnung mit Moritz Siebert und Estephan Wagner übernimmt Sidibé ihre Kamera. Unermüdlich dokumentiert er seine Lebensrealität am Rande einer abgeschotteten EU.

So gelingt ein lebendiges Gegenbild zu den nur flüchtig wahrgenommenen, standardisierten Nachrichtenmeldungen über die Situation in Melilla am Rande Europas.

 

Sonntag | 28.5.2017 | 20 Uhr | Feldstr. 22

„Weisse Geister“ – Der Kolonialkrieg gegen die Herero

D 2004 | R: Martin Baer | 72 Min. | Eintritt frei

Der Film „Weisse Geister – Der Kolonialkrieg gegen die Herero“ beleuchtet das dunkle Kapitel deutscher Kolonialgeschichte in Afrika und fragt nach einem angemessenen Umgang mit der Vergangenheit.

Israel Kaunatjike der Protagonist des Films hat zwei deutsche Grossväter. Beide seiner Grossmütter bekamen Kinder von deutschen Soldaten der Schutztruppen“. Ähnlich wie während anderer militärischer Auseinandersetzungen gab es auch in diesem Kolonialkrieg sog. comfort women. Diese von den deutschen Herren offiziell verbotenen und verpönten „Verbindungen“ mit den „Eingeborenen“ waren eine gängige Praxis des Kolonialismus: „Sexsklaverei“.

Auch Regisseur Martin Baer ist im Rahmen der Recherchen unerwartet mit der eigenen familiären Vergangenheit in Berührung gekommen: Einige seiner Vorfahren waren einst als Siedler nach „Deutsch-Südwest“ gekommen und leben bis heute in Namibia und Südafrika.

Für Israel Kaunatjike wesentlich ist die Frage nach der Identität. Wer ist überhaupt Namibier, wer Deutscher, wer Herero? Er ist mit einer Deutschen verheiratet, seine Kinder leben in Deutschland. Nach der Logik deutschen Abstammungs- und Staatsangehörigkeitsrechts ist Israel Deutscher. Die vielen Nachkommen der deutschen Kolonialisten könnten im Prinzip die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen. Für sie ist die Geschichte des Kolonialismus nicht vorbei. Ihre helle Haut erinnert sie ständig daran, dass sie nicht einfach nur Afrikaner sind.

„Man darf nicht ohne uns über uns reden“

Beim Genozid an Hereros und Nama, sind zwischen 65.000 und 100.000 Menschen ums Leben gekommen, ein Großteil ihres Landes wurde enteignet.

Aktuell führen Vertreter der Nama und Herero ein Klage in den USA gegen Deutschland. Sie fordern Entschädigung für den Völkermord und die Enteignung ihres Landes durch die deutsche Kolonialregierung und sie wollen an den Verhandlungen, die Deutschland aktuell mit der namibischen Regierung führt, beteiligt werden.

Eine Anhörung vor einem amerikanischen Gericht ist für den 21. Juli anberaumt. Solange hat die Bundesregierung Zeit, sich zu dem Verfahren zu äußern.

Deutschland plant, zur Kompensation des Leids und des erlittenen Unrechts Geld in eine Zukunftsstiftung einzuzahlen, aus der Projekte finanziert werden sollen, die den Herero und Nama-Volksgruppen zugutekommen sollen.

Israel Kaunatjike fordert Reparationsleistungen:
„Für uns ist das Land wichtig. Die Namas wohnen in Südnamibia, das ist die reichste Gegend, dort gibt es viele Diamanten, aber die Leute haben nichts. Genau wie die Hereros in Zentralnamibia. Wo diese Menschen gelebt haben, leben heute die deutschen Nachfahren. Man kann nicht akzeptieren, dass die Hereros und Namas heute in Armut leben. Wo ist dann die Gerechtigkeit? Die vertriebenen Hereros wollen etwa aus Botswana nach Namibia zurück. Aber wohin? Das Land ist immer noch besetzt durch Diebstahl. Das war einfach Landraub. Das Land muss wieder in unsere Hände zurückgegeben werden.“