Cine feld 22 – Filmreihe in der Feldstraße

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Sonntag | 27.05.2018 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

„Die Alsterdorfer Passion“
– Die Alsterdorfer Anstalten 1945-1979
Regie: Bertram Rotermund | Rudolf Simon, D 2018, 65 Min.

Ausgehend von den Euthanasie-Verbrechen im Nationalsozialismus zeichnet der Film die Geschichte der Alsterdorfer Anstalten bis in die 80iger Jahre nach. Berichte von ehemaligen BewohnerInnen und MitarbeiterInnen, Fotos, Dokumente und Filmaufnahmen dokumentieren die Atmosphäre und den Geist der damaligen Zeit in dieser evangelischen Einrichtung für Menschen mit Behinderung.
Auch nach Kriegsende änderte sich für die Bewohner der Alsterdorfer Anstalten lange Zeit wenig. Zwar mussten die leitenden Personen gehen – zur Rechenschaft gezogen und bestraft wurde keiner von ihnen.
Das gesamte Personal (95% der Mitarbeiter waren ehemalige Parteigenossen, Mitglieder der SA oder anderer Gliederungen der Partei) aber blieb und mit ihnen die Massenquartiere, kollektive Hygieneverrichtungen, Aufhebung jeglicher Intimsphäre dazu auch Formen direkter Gewalt wie Essensentzug, Schläge, Strafe-stehen, Strafliegen, Fixierungen, Zwangskleidung und Einsperren.
Erst als Ende der 1970er Jahre jüngere Mitarbeiter und Zivildienstleistende die menschenunwürdigen Zustände anprangerten und damit in die Öffentlichkeit gingen, setzte allmählich ein Paradigmenwechsel ein.


Sonntag | 25.02.2018 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

Dil Leyla
D 2016, 71 Min., R: Aslı Özarslan

Die Berliner Filmemacherin Aslı Özarslan porträtiert die kurdische Bürgermeisterin der türkischen Kleinstadt Cizre

Als im Juni 2015 die Demokratische Partei der Völker (HDP) bei den Parlamentswahlen in der Türkei ein unerwartet gutes Ergebnis mit mehr als 13 Prozent der Stimmen erreichte, da hofften viele auf bessere Zeiten. Endlich war auch der kurdisch geprägte Osten des Landes gut vertreten, und Präsident Erdoğan würde es mit einer starken Opposition zu tun bekommen. Doch der Optimismus wurde schnell enttäuscht, denn es begann eine neue Zeit der Repressionen. Unmittelbar davon betroffen war auch die Kleinstadt Cizre, nicht weit von der Grenze zum Irak. Mit Cizre hatte es eine besondere Bewandtnis: Die junge Bürgermeisterin Leyla Imret, Tochter eines prominenten kurdischen Kämpfers, hatte viele Jahre als Asylwerberin in Deutschland gelebt. Die Berliner Dokumentarfilmerin Aslı Özarslan war durch eine Zeitungsnotiz auf sie aufmerksam geworden und wollte mehr über diesen Fall wissen. „Warum geht eine junge Frau, die mehr oder weniger in meinem Alter ist, in eine Kurdenhochburg, um Politikerin zu werden?“

Die Antwort gibt der Film „Dil Leyla“, auch wenn sie nicht immer eindeutig ist. Leyla Imret bekommt in Deutschland endlich die ersehnte Aufenthaltsgenehmigung und geht dann doch zurück in die Türkei, weil sie sich nach ihrer Heimat und ihrer Familie sehnt, und weil sie eine Chance sieht, die Situation zu verbessern. „Obwohl Leyla als Bürgermeisterin eigentlich nur für die Infrastruktur zuständig war“, erzählt Aslı Özarslan, „hat sie immer mehr gemacht. Sie hat die ganze Zeit Parks bauen und Bäume pflanzen lassen. Sie wollte die Narben ihrer Kindheit verdecken, einen neuen Alltag in die Stadt bringen und auch für sich einen Alltag schaffen, weil viele Jahre lang alles so stark vom Krieg (zwischen der türkischen Armee und den Guerillakämpfern der PKK, Anm.) geprägt war. Sie wollte ein ganz normales Leben führen. Und sie brachte eine unglaublich gute Energie.“

Der Umschwung, von dem auch der Film „Dil Leyla“ geprägt ist, kam mit den Wahlen von 2015. „Schon vor den Wahlen war die Stimmung ganz anders, alles unglaublich angespannt. In Diyarbakir, der Hauptstadt der Kurdenregion in der Osttürkei, gab es einen Anschlag. Wir mussten damals die Dreharbeiten vorerst abbrechen. Der Film besteht genau aus zwei Teilen, danach war die gute Energie weg.“

Für Aslı Özarslan ist die Geschichte von Leyla Imret ein gutes Beispiel dafür, warum sie Dokumentarfilmerin geworden ist. „Ich habe auch als Journalistin gearbeitet und tue das weiterhin ab und zu, aber ich wollte längere Geschichten erzählen, wollte in Leben eintauchen und versuchen, Dinge zu verstehen. Diese Möglichkeit habe ich für mich im Dokumentarfilm gesehen: über alltägliche Situationen politische Dinge zu erzählen, vom Kleinen ins Große zu gehen.“ Für „Dil Leyla“ hat Aslı Özarslan eine herausragende Protagonistin gefunden, und geriet dabei mitten in die Weltpolitik. Denn im Juni 2015 begann, obwohl das Wahlergebnis zunächst in die andere Richtung zu weisen schien, der Aufstieg des Autokraten Erdoğan erst so richtig. Eines der Opfer war Leyla Imret, zu der Aslı Özarslan aktuell keinen Kontakt hat: „Ich weiß nicht, wo sie ist. Sie darf das Land nicht verlassen. Ich habe keinen Kontakt zu ihr, weiß aber von der Familie, dass es ihr gut geht. Sie selbst hat den Film leider noch nicht gesehen.“

 

Sonntag | 28.01.2018 | 20 Uhr | Feldstr. 22, Erlangen

Die Freiheit des Erzählens
Deutschland 2006, 100 min, deutsch,
Produktion: Carsten Does und Robin Cackett
Eintritt frei, Spenden erbeten

Gad Beck ist ein begnadeter Erzähler. Er war zehn Jahre alt, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, und mit neunzehn wurde seine große Liebe Manfred Lewin nach Auschwitz deportiert. Als „jüdischer Mischling“ wurde Gad Beck 1943 in dem Berliner Sammellager Rosenstraße interniert und nach den einzigartigen Protesten nichtjüdischer Angehöriger wieder freigelassen. Während der letzten beiden Kriegsjahre organisierte er als Leiter des „Chug Chaluzi“ das Überleben zahlreicher im Untergrund lebender Juden.

Wie wird Geschichte erinnert und erzählt? Wie wird ein Zeitzeuge durch die Nachgeborenen inszeniert und wie inszeniert er sich selbst?

Ein Film über die bisweilen fließenden Grenzen zwischen Wahrheit und Legende und über die Aufarbeitung von Geschichte in den unterschiedlichsten Medien.
Ein Film über die Auseinandersetzung zwischen den Generationen, über Neugierde, Takt und Koketterie.
Ein Film über alltäglichen Heldenmut und schwule Liebe in einer gefährlichen Zeit.

Mit den Zeitzeugen: Gad Beck, Miriam Rosenberg (geb. Beck), Hans-Oskar Löwenstein, Jizchak Schwersenz, Zvi Aviram Weiterlesen

Wanderausstellung »Banditi e ribelli«

Die fotodokumentarische Ausstellung ›Banditi e ribelli‹ von ISTORECO Reggio Emilia und
CultureLabs Berlin erzählt die Entwicklung des Partisanenkrieges in Italien zwischen 1943 und 1945. Kurze chronologisch aufgebaute Texte des Historikers Santo Peli und mehr als 120 Fotografien dokumentieren das Leben und die Anstrengungen der jungen Frauen und Männer, die gegen den Krieg, gegen Faschismus und gegen die Greuel der deutschen Besatzung kämpften.

Erlangen: 26. März bis 20. April 2018 im Rathaus (Foyer)
— BEGLEITPROGRAMM – VERANSTALTUNGEN —–

21.03. | 20 Uhr | Zentrum im Wiesengrund Wöhrmühle 7: CasaPound Italia – mit Heiko Koch – Autor des Buches »CasaPound Italia. Mussolinis Erben«. CasaPound nennt sich eine  faschistische Bewegung in Italien. Sie dient europaweit vielen anderen rechten Bewegungen als Vorbild.

26.03.18 | 17:00 Uhr | Rathausfoyer: Eröffnung der Ausstellung »banditi e ribelli«
Mit einem der Kuratoren vom ISTORECO Reggio Emilia

12.4. | 20:00 Uhr | Stadtbibliothek: Aufführung der Klangcollage »Projekt Partigiani« des Erlanger Musikers Stefan Poetzsch (Violine/Viola/Sounddesign) und Günter Leitzgen (Lesung)

13.4. | 20:00 Uhr | Stadtbibliothek: Die Resistenza und das Massaker von Cumiana – mit Marco Comello, Historiker aus Cumiana. Cumiana und Erlangen verbindet inzwischen eine Städtefreundschaft.

17.04. | 20:00 Uhr | Volkshochschule  – vhs club INTERNATIONAL: »Ich mache das alles, weil ich es mir ausgesucht habe« – Frauen im italienischen Widerstand – mit Nadja Bennewitz, Historikerin M.A.

19.04. | 20:00 Uhr | Lesecafé Hauptstraße 55: Im märkischen Sand – NS-Massaker an italienischen Militärinternierten
– mit den Filmemacher*innen Nina Mair und Matthias Neumann 

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Die Wehrsportgruppe Hoffmann – „Vereinigung der Einzeltäter“

9.12.1980: Mord an Shlomo Lewin und Frida Poeschke in Erlangen

Kundgebung der Gruppe Antithese in Erlangen am 19.12. um 17 Uhr, Nürnberger Straße Ecke Südl. Stadtmauerstraße gegenüber Peek & Cloppenburg in Erinnerung an Shlomo Lewin und Frida Poeschke.

Shlomo Lewin und Frida Poeschke werden am 19. Dezember 1980 in ihrer Erlanger Wohnung ermordet. In Verdacht gerät die rechtsterroristische „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Knapp drei Monate vorher starben durch eine Bombenexplosion 13 Menschen am Münchner Oktoberfest, 211 wurden verletzt. Der Bombenleger kam auch aus den Reihen der in der Nähe von Erlangen aktiven Wehrsportgruppe.

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